Sind dir Flügel nicht verliehn

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Sind dir Flügel nicht verliehn,
 Mir in's Ferne nachzuziehn?
 Sind doch Flügel mir gegeben,
 Dich aus Fernen zu umschweben.
Denke, daß mein Dichtergeist
 Ungesehn dich hier umkreist,
 Dir in diese stillen Räume
 Führend Schaaren holder Träume!
Wenn dich grüßt ein Sonnenstrahl
 Oder eine Blum' im Thal,
 Denke, -- daß es dich erquicke --
 Daß der Freund den Gruß dir schicke!
Wenn es in den Lauben rauscht,
 Wo der Freund dir einst gelauscht,
 Denke, -- daß es dich berausche --
 Denke, daß ich noch dir lausche!
An den Stellen lieb und traut,
 Wo in's Aug' ich dir geschaut,
 Wo du mir in's Auge schautest;
 Und mir ganz dein Herz vertrautest;
Wo der Freund nicht bei dir sitzt,
 Sitzt sein Angedenken itzt.
 Laß es nicht auf Dornenspitzen
 Sondern weich auf Rosen sitzen!
Wenn du denkest, daß im Raum
 Blüht um mich dein Liebestraum,
 Wenn du denkest, daß aufs neue
 Ich durch dich der Welt mich freue;
O so wirst du auch dich scheun,
 Anders als dich mein zu freun;
 Heiter unter Blüthenbäumen
 Wirst von deinem Dichter träumen.