Endlich hab’ ich das errungen

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Endlich hab' ich das errungen,
 Liebster! es zu fühlen ganz,
 Daß dich eben so durchdrungen
 Hat, wie mich, der Gottesglanz.
Den Gedanken mußt' ich wälzen,
 (War es Demuth, war es Stolz?)
 Ob du so mir könntest schmelzen,
 Wie dir meine Seele schmolz.
Doch nun fühl' ich, dir gehör' ich
 Mehr nicht, als du mir gehörst,
 Und dir nichts im Herzen schwör’ ich,
 Was du nicht entgegenschwörst.
Ob du Tagelang mich meidest,
 Ob du nicht ein Wort mir giebst,
 Ob du ohne Kuß mir scheidest,
 Fühl ich doch, daß du mich liebst.
Jetzo kann ich in der Ferne
 Ruhig, Freund, dich ziehen sehn,
 Und du bleibst gleich einem Sterne
 Fest an meinem Himmel stehn.