Ich bracht‘ ihr Blumen

                                      29.

Ich bracht' ihr Blumen; als ich die nun immer
  An ihrer Brust nicht sah und drüber klagte,
  Versetzte sie getrost: Weil mir's behagte
  Recht lang sie blühn zu sehn, blühn sie im Zimmer.

Band kauft' ich ihr, und als ich das auch nimmer
  An ihrem Arm erspäht', und spitzig fragte:
  Wo blüht nun das? sprach sie: Im Schrank; ich zagte,
  Die Sonne bleich' ihm den zu feinen Schimmer.

Nun spräche Jemand, der das nicht verstünde:
  O welche Liebe, die mit solcher Treue
  Bewahrt solch ein vergänglich Angedenken.

Ich aber spreche, der ich's wohl ergründe:
  O daß den Neider solche Lieb' erfreue,
  Die, was an's Herz soll, niederlegt in Schränken.
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