Gleichwie der Kibitz

                                        66.

Gleichwie der Kibitz, der unbänd'ge Schreier,
  Um zu verhüten, daß nicht seine Läger
  Durch seine Schuld an den verschmitzten Jäger
  Verrathen werden, oder an den Geier,

Von weitem, scheu, um den geliebten Weiher,
  Wo er sein Nest hat, streifend, zieht in schräger
  Umkreisung seinen Flug, bis in's Gehäg' er
  Sich senkt auf seine Jungen oder Eier;

So kreis't, im Zauberwirbel hingezogen,
  Mein Geist mit sehnsuchtmüden Flügelspitzen
  Um's Haus der Lieb' an stillen Wasserborden,

Stets näher rückend in stets engern Bogen,
  Bis unaufhaltsam er sich stürzt gleich Blitzen
  Heiß auf das Nest, das kaum erst kalt geworden.
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