Sie sprach

                                      37.

Sie sprach: Man sieht so selten dich,
  Was mag die Schuld nur tragen?
  Ich sprach: Mein Trautchen, höre mich,
  Das will ich dir wohl sagen.
  Ein jeder hat der Tage viel,
  Doch nicht an jedem Tanz und Spiel;
  Er sparet gern sein Bestes
  Nur auf den Tag des Festes.
Wenn ich nun lange Tage lang
  Mich plackte und mich mühte,
  Und auf des Lebens Werkelgang
  Mir kaum ein Blümchen blühte;
  Dann flieg' ich freudig her zu dir,
  Dann ist in deinen Augen mir
  Am Ende saurer Wochen
  Der Sabbath angebrochen.
Sie sprach: Mein Freund, das läßt nicht schön;
  Wozu das glatte Schmeicheln?
  Ich sprach: So will ich's denn gestehn
  Und sagen ohne Heucheln:
  Der Vogel, den die Beere fing,
  Und der der Schlinge kaum entging,
  Läßt lang von Lust sich nagen,
  Eh' er's will wieder wagen.
Die böse Schlinge kenn' ich ja,
  Die mich so oft gefangen,
  Ich flieh' und komm' ihr nicht zu nah,
  Und will nicht wieder hangen;
  Bis sich die Lust so mächtig regt,
  Daß sie die Furcht zu Boden schlägt,
  Dann zieht's zu dir hernieder
  Mich nach der Schlinge wieder.
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