Weh, Leipzig, dir

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Weh, Leipzig, dir! So weit die Blicke reichen,
  Die du von deinen öden Zinnen schickest,
  Ist alles, was du in der Rund erblickest,
  Ein großes Feld voll Trümmern und voll Leichen.

Man kommt herein und bringt die Siegeszeichen,
  Daß du an ihrem Anblick dich erquickest;
  Du aber siehst sie seufzend an, erschrickest,
  Todtwund noch von den kaum empfangnen Streichen;

Denn durch des großen Weltgeschicks Verkettung
  Ist unser Glück für dein Weh eingetauschet,
  Du bist für uns zur Märtyrin geworden;

Sodaß, derweil im Freudenwein der Rettung
  Sich ringsum jubelnd eine Welt berauschet,
  Du Blut dir schöpfst von deiner Pleiße Borden.
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