Ich, die bin frei

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Ich, die bin frei nach aller Welt Berichten,
  Nichts über mich erkennend, das mich zwinge,
  Ward hier im wunderbaren Lauf der Dinge
  Zur Magd, und schäme dessen mich mitnichten;

Ja rechne mir zum Ruhm die Dienstespflichten,
  Der Herrin wegen, welcher ich sie bringe,
  Die werth ist, daß ein Gott sich ihr verdinge,
  Und Geister ihr Gebot gehn auszurichten.

Politik heißt, die ich zur Herrin wähle,
  Für die ich will durch Markt und Straßen laufen,
  Bestellend alles, was sie mir befiehlet;

Nur daß zu streng sie mit der Magd nicht schmäle,
  Wenn ich irr geh' einmal im wilden Haufen,
  Und etwas anders treff', als sie gezielet.
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