Freiheitslied

Zittr', o Erde, dunkle Macht,
  Bis zum Abgrund nieder;
  Der Gedank' ist aufgewacht,
  Schüttelt sein Gefieder,
  Will geflügelt dir entflieh'n,
  Wenn du nicht wirst fesseln ihn;
  Sprich, ob du's wirst können!
Wie des Kerkers Fuge kracht,
  Wenn von einem Blitze
  Dem, der drinnen liegt in Nacht,
  Wird gezeigt die Ritze;
  Wie das Haupt die Hoffnung hebt,
  Und der Geist zur Freiheit strebt,
  Und entfleugt den Mauern,
Wie im Arm der Buhlerinn
  Einer liegt versunken,
  Ihm durch den berauschten Sinn
  Plötzlich zuckt ein Funken,
  Daß er dort, wo Engel geh'n,
  Sieht die reine Liebe steh'n,
  Die ihm aufwärts winket:
Zittr' o Erde, dunkle Macht,
  Bis zum Abgrund nieder;
  Der Gedank' ist aufgewacht,
  Schüttelt sein Gefieder,
  Will geflügelt dir entfliehn,
  Wenn du nicht willst fesseln ihn;
  Sprich, ob du's wirst können!
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