Gott und die Fürsten.

 Napoleon, von Kaiserthronen
   Gestürzt auf Elba's nackten Sand!
   Seht her, der Erde Nationen,
   Seht, und erkennet Gottes Hand.
   Ihn hat der Herr im Zorn gerichtet,
   D'rum liegt er so in Schmach vernichtet.
 Der große Bund der Fürsten kämpfte
   Wohl mit dem Argen brav und gut;
   Allein der Thau der Großmuth dämpfte
   Der Rache so gerechte Gluth.
   Sie dachten's friedlich zu entschürzen;
   Doch Gott gedacht' ihn ganz zu stürzen.
 »Du bist gekehrt von Moskows Brande,
   Von argen Niederlagen wund;
   Da steh'n die Völker aller Lande
   In niegeseh'nem Rachebund;
   Doch komm, wir wollen Frieden schließen,
   Dabei dir noch soll Lorbeer sprießen«
 Das war das erste Wort der Fürsten,
   Doch ihn umflocht der Gotteswahn,
   Es trieb ihn seines Hochmuths Dürsten
   Noch einmal auf die blut'ge Bahn;
   Denn im Verhängniß stand's geschrieben:
   Er soll noch besser sein zerrieben.
»Du siehest, wie bei Leipzig deine
   Gewalt die letzte Schwinge brach;
   Du fliehst gelähmet nach dem Rheine,
   Und unsre Schaaren folgen nach;
   Doch komm, und mache mit uns Frieden,
   Ein rühmlicher sei dir beschieden.«
 Das war das zweite Wort der Fürsten.
   Doch ihn umflocht der Gotteswahn,
   Es trieb ihn seines Hochmuths Dürsten
   Noch einmal auf die blut'ge Bahn;
   Denn im Verhängniß stand's geschrieben:
   Er soll noch besser sein zerrieben.
»Du hast in deinem eignen Lande
   Empfunden unsres Zornes Gluth;
   Brienne, deine Wieg', im Brande!
   Laß ab von der bethörten Wuth;
   Wir wollen dir noch Friede gönnen,
   Bei welchem du sollst herrschen können«
 Das war das dritte Wort der Fürsten.
   Doch ihn umflocht der Gotteswahn,
   Es trieb ihn seines Hochmuths Dürsten
   Noch einmal auf die blut'ge Bahn;
   Doch im Verhängniß stand's geschrieben:
   Jetzt soll er völlig sein zerrieben.
 Ihr Fürsten, zeiget ihr noch weiter
   Anstatt des Schwert's den Heroldstab?
   Führt in die Feldschlacht eure Streiter,
   Und ruft die Friedensboten ab!
   Ich fürchte, daß der Herr euch grollet,
   Wenn ihr noch länger schonen wollet.
 Den Frevler vor dem Sturz zu warnen,
   Gibt Gott, der Herr, dreimal'ge Frist;
   Da muß der Wahnsinn ihn umgarnen,
   Bis sie umsonst verlaufen ist;
   Dann faßt ihn an ein plötzlich Zagen,
   Wann er hört seine Stunde schlagen.
 Und also ist es denn geschehen,
   Daß wie von einem Wetterschlag,
   Eh' man die Hand hat zucken sehen,
   Der, den sie traf, am Boden lag;
   Und wir bekennen laut und offen:
   Es ist der Herr, der ihn getroffen.
 Der Herr hat ihn gefaßt beim Schopfe,
   Geschleudert ihn vom goldnen Stuhl,
   Gleich einem stauberzeugten Tropfe,
   Nicht in den Staub, nein, in den Pfuhl.
   Verlornen hat er Ehr' und Kronen;
   Nun, seines Lebens mögt ihr schonen.
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