Gottes Zorn.

Ich der Herr bin groß zu schonen,
  Und dem schonenden zu lohnen,
  Aber auch zu zürnen groß;
  Und ich denk' es dieser Rotte,
  Daß sie mich gemacht zum Spotte,
  Als sie meine Tempel schloß:
Als der Uebermuth sie schwellte,
  Und auf den Altar sie stellte
  Ihre eigene Vernunft.
  Ihr, die ihr auf diese Schwellen
  Jetzt wollt eure Großmuth stellen,
  Seid mir auch Abgötterzunft.
Die ihr meine Herden weidet,
  Höret recht und unterscheidet,
  Wollt ihr thun nach meinem Sinn!
  Um zu führen meine Sache,
  Hab' ich meine Dienrin Rache,
  Schonung meine Dienerin.
Wie ich, sichtbar eurem Blicke,
  Diese hier, dort jene schicke,
  Laßt sie gehn und hemmt sie nicht!
  Schonet da wo ich nicht schlage,
  Schonet nicht am falschen Tage,
  Wo ich halt' ein Strafgericht.
Saul, als die Amalekiter
  Er verschonte, zahlt' es bitter.
  Da ich ihm die Krone nahm.
  Und mir einen Hirten wählte,
  Den ich mir zum Kriegsmann stählte,
  Der die Feinde machte zahm.
Die ihr meine Herden weidet,
  Höret recht und unterscheidet,
  Wollt ihr stehn auf euerm Stand!
  Daß ich nicht den Saul verwerfe,
  Und mein Schwert mit seiner Schärfe
  Geb' in eines David's Hand!
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