Gottes Ruthe.

Ihr, die ihr schauend in die Luft
  Erkennet Gottes Finger,
  Der heut hat in des Meeres Gruft
  Gelegt den Weltbezwinger;
  Die ihr jetzt jauchzt, wie ihr gebebt;
  Daß nicht eu'r Stolz sich überhebt,
  Hört, es ist Gott, der redet.
So spricht der Herr: Von bösem Stamm
  Auf eines Eilands Grunde,
  Gesäugt von giftig bösem Schlamm,
  Schnitt ich zur bösen Stunde
  Ein Reis, das ich zur Ruthe band,
  Zu züchtigen das feste Land,
  Ihr Völker habt's empfunden.
Ihr traget noch der Narben Spur,
  Als ich die Geißel führte,
  Doch sahet ihr den Stecken nur,
  Den Arm nicht, der ihn führte;
  Sich selber hielt das dürre Holz
  Für Gottes Arm in seinem Stolz,
  Fast habt ihr's angebetet.
Jetzt ist das Aug' euch aufgethan,
  Ihr seht den nackten Stecken,
  Und wendet euch von euerm Wahn
  Zum wahren Gott der Schrecken;
  So thu' ich mich des Schreckens ab,
  Und werf' ins Meer den ehrnen Stab,
  Daß ihr nicht mehr sollt bluten.
Doch merken will ich mir den Ort,
  Wo ich ihn hingeleget,
  Um ihn zurückzufordern dort
  Vom Eiland, das ihn heget,
  Ihr Völker beugt euch zitternd stumm,
  Daß ich der Herr nicht wiederum
  Muß nach der Ruthe greifen.
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