Zum Empfang der rückkehrenden Preußen.

Nordischer Gäste
  Bunteste Schaar
  Wurden auf's Beste
  Längst wir gewahr,
  Welche gezogen
  Kamen in Wogen
  Siegreich vom Weste,
  Lorbeer im Haar.
Aber was bringet
  Heut das Getön,
  Das sich erschwinget
  Kriegerisch schön?
  Klingender reden
  Diese Drometen,
  Daß es durchdringet
  Tiefen und Höhn.
Heimische Töne
  Treffen mein Ohr,
  Nicht ein Gedröhne
  Fremd wie zuvor.
  Vaterlandskrieger,
  Preußische Sieger,
  Deutscheste Söhne
  Oeffne dich, Thor!
Niemals durchritten
  Hat dich ein Heer,
  Milder von Sitten,
  Tapfrer von Speer.
  Wer in den Mienen
  Lieset es ihnen,
  Daß sie gestritten
  Blutig so sehr?
Weil sie vor allen
  Immer voraus
  Waren mit Schallen
  Erste im Straus,
  Darum mit Rechte
  Nach dem Gefechte
  Müssen sie wallen
  Letzte nach Haus.
Traget die Knaben,
  Mütter, heran,
  Daß sie sich graben
  Ein, was sie sahn;
  Lehrt sie's verstehen:
  Was nur geschehen
  Großes ist, haben
  Diese gethan.
Das sind die Spitzen,
  Das ist der Schaft,
  Welche gleich Blitzen
  Feinde gerafft,
  Das sind die Kreuze,
  Die, mit dem Reize
  Sie zu besitzen,
  Arme gestrafft.
Das sind die Narben,
  Seht wie sie stehn,
  Die sie erwarben
  Kämpfend für wen?
  Kämpfend für alle,
  Die wir im Falle
  Knechtisch erstarben,
  Frei nun erstehn.
Darum gepriesen
  Seien sie fein;
  Holet zu diesen
  Pforten sie ein!
  Kommet, ihr hehren,
  Was euch von Ehren
  Hier ist erwiesen,
  Mög' es euch freun!
Seht ihr, vom Schlosse
  Reiten euch zwei
  Fürsten zu Rosse
  Grüßend herbei.
  Kund schon am Rheine
  Ward euch der eine,
  Euch als Genosse
  Grüßt er so frei.
Aber hernieder
  Dort vom Balkon,
  Euerer Glieder
  Kriegrischem Ton,
  Horchet die hohe
  Fürstin, die frohe;
  Seht ihr sie wieder?
  Kennt ihr sie schon?
Ist doch mit Schmerzen,
  Ist doch mit Lust
  Euerem Herzen
  Jene bewußt,
  Welche von Thronen
  Höherer Zonen
  Hell euch wie Kerzen
  Blickt in die Brust,
Eure Luise,
  Die euch zur Schlacht
  Vom Paradiese
  Lenkte mit Macht!
  Denkt ihr der Theuern?
  Sehet, der Euern
  Schwester ist diese;
  Naht mit Bedacht!
All ihr, uns heute
  Gastlich genaht,
  Unsere Beute,
  Kommt und empfaht,
  Was die verehrte
  Fürstin bescherte,
  Und die erfreute
  Fürstliche Stadt!
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