Festlied.

  Lasset uns zählen,
  Welch's sind unsre Bundsgenossen,
  Damit wir sehn unverdrossen,
  Ob's uns kann fehlen!
Wer ist der erste der Bundsgenossen?
  Das ist der Herr mit dem himmlischen Heere,
  Mit dem blitzenden Speere,
  Mit den donnernden Rossen.
Er ist ausgefahren
  Auf Siegeswagen,
  Hat Feinde erschlagen,
  Wer zählt die Schaaren?
Sei mit deinen Wettern
  In unserm heiligen Streite
  Auch künftig uns zur Seite,
  Und hilf uns, sie zerschmettern!
Wer ist der zweite der Bundsgenossen?
  Das ist ein Nordlands-Riese,
  Mit eisblankem Spieße,
  Mit starren Sennen, aus Eis gegossen.
Er hat sich erhoben,
  Mit dem Panzer gerasselt,
  Daß die Feinde zusammengeprasselt,
  Wie vom Nordwind auseinander gestoben.
Laß noch weiter sich wälzen
  Deine nordischen Schauer!
  Die Kraft soll kein lauer
  Südwind dir schmelzen.
Wer ist der dritte der Bundsgenossen?
  Das ist eine Heldenjungfrau in Süden;
  Sie weiß die hesperischen Aepfel zu hüten,
  Die in ihren Hainen sprossen.
Sie hat die Diebe,
  Die sie raubten, zu Boden gelegt;
  Sie hat sie aus ihrem Lande gefegt,
  Wie Spreu im Siebe.
Blicke himmelwärts
  Von deinen Pyrenäen!
  Laß deine glühenden Blicke spähen
  In Frankreichs, deiner Feindin, Herz!
Wer ist der vierte der Bundsgenossen?
  Das ist in Westen ein Drache,
  Der über die Freiheit der Welt hält Wache,
  Von seiner ewigen See umflossen.
Wenn du schlägst in die Welle,
  Tobt sie, und streckt
  Schäumende Zungen aus, und leckt
  An deiner feindlichen Nachbarin Schwelle.
Speie, mit treuer
  Kraft, zu verderben feindliche Rotten,
  Spei' aus deine goldenen Flotten,
  Und dein congrev'sches Feuer!
Wer ist der fünfte der Bundsgenossen?
  Das ist die Eintracht, die da wieder
  Deines Leibes zerfallene Glieder,
  O Deutschland, hat zusammengeschlossen.
Du warst in dir zerfallen,
  Dein Haushalt zerrüttet,
  Dein Schatz verschüttet
  Unter'm Einsturz deiner Hallen.
Laß dich's nicht kümmern!
  Dein Baumeister
  Wird der Herr mit den Schaaren der Geister,
  Der dich neu wird bau'n aus den Trümmern.
Einst saßest du hehr
  In der Mitt' auf deinem Throne,
  Und die Völker in jeder Zone
  Saßen auf ihren Sitzen umher.
In dem blinkenden Eispalast
  Saß Russia, die nordische Frau;
  Italia unter des Himmels Thau
  Hielt auf offenen Zinnen Rast.
Hispania, die Schäferin,
  Saß träumend in Orangenhainen,
  Und, Britannia, du auf deinen
  Felsen mit dem Felsensinn.
Und die andern alle
  Saßen auf ihren Sitzen da,
  Und der Herr des Himmels sah
  Friedelächelnd nieder auf alle.
Wer hat die Ruh' gestört?
  Mit tollem Sinn
  Im Westen meine Nachbarin,
  Von Freiheitswahn bethört.
Warum merkt' ich's zu spät?
  Mit Händen blutigroth
  Hat sie selbst in den Koth
  Gestürzt ihre Majestät.
Und ist ausgestanden,
  Und hat die Welt durchlaufen,
  Und alles über'n Haufen
  Geworfen in allen Landen.
Sie ist über mich hergefahren,
  Da ich zu geduldig war,
  Hat mich zertreten ganz und gar,
  Und mich geschleift bei den Haaren.
Mein altes Haus
  Hat sie mir zerbrochen,
  Und hat mir versprochen,
  Mir ein besseres zu bauen daraus.
Ja! was hat sie bestellt?
  Stärker und stärker
  Baute sie, blutverkittet, zum Kerker
  Die ganze Welt.
Nur daß das Meer
  Fühlte noch nicht
  Des Kerkers Gewicht,
  Das kränkte den Kerkermeister so sehr.
Der Wehruf stieg
  Aus aller Welt
  Zum Sternenzelt,
  Deß Herr noch schwieg.
Bis Moskows Brand
  Vor die Augen ihm trat;
  Da war es sein Rath,
  Zu heben die Hand.
Der Herr, der lange drein gesehn,
  Hat endlich drein geschlagen;
  Jetzt darf ich es wagen
  Auch aufzustehn.
An Spaniens Gluth
  Hast du zuerst dir den Finger verbrannt;
  In Rußlands frostiger Hand
  Erstarrte dein Blut.
Aber der Geist,
  Der die Preußen hat angerührt,
  Der hat es vollführt,
  Der ist's, der hat dich geschlagen zumeist.
Alle die Völker der Erde zusammen
  Haben wacker gerungen;
  Aber wer dich bezwungen,
  Das sind Gottes geistige Flammen.
Und Gott der Herr sprach:
  Daß Friede dem Erdkreis werde,
  Ihr Völker der Erde,
  Hört und thuet danach.
In eh'rnes Band
  Schlagt mir die Unruhstifterin,
  Daß fürderhin
  Sie heben nicht könne die frevelnde Hand.
Dann gehet heim, und jeder auf seinem
  Sitze, wie es euch ist beschieden,
  Sitzt in Frieden,
  Und über euch will ich sitzen auf meinem.
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