Koburgischen Landwehr.

Wir ziehen aus in kleiner Zahl,
  Doch unser Land ist klein und schmal,
  So ist die Zahl fast groß.
  Wir sollen ja allein nicht stehn,
  Zu tausend andern soll'n wir gehn,
  Ihr Loos ist unser Loos.
Wir ziehen aus spät an der Zeit,
  Da lange schon im Kampf und Streit
  Viel deutsche Brüder stehn.
  Man hat uns eh'r gerufen nicht,
  Sobald uns aber rief die Pflicht,
  War'n wir bereit zu gehn.
Ihr Brüder, tief schon an dem Rhein,
  Und tief in Frankreich schon hinein,
  Weit ziehn wir hintennach;
  Doch all soviel ist Ruhm und Ehr,
  Daß sie auch uns noch blühn; nur wer
  Gar ausbleibt, dem blüht Schmach.
Der Herr zu seines Weinbergs Bau
  Rief ein'ge früh im Morgenthau
  Am ersten Sonnenstrahl;
  Zu Mittag rief er andre Schaar,
  Und als der Abend nah schon war,
  Da rief er noch einmal.
Und als das Tagwerk war vollbracht,
  Da theilt' er gleichen Lohn zu Nacht
  Den erst- und letzten aus.
  So, deutsche Brüder, hoffen wir,
  Wir sollen sitzen gleich wie ihr,
  An gleicher Ehre Schmaus.
Ihr Streiter aus dem Gottesfeld,
  Nehmt auf in euer weites Zelt
  Hier unsre kleine Schaar;
  Es wird in euren großen Reih'n
  Wohl eine kleine Lücke sein,
  Da stellen wir uns dar.
Ihr seid zum Theil wohl Kampfes matt;
  Laßt kämpfen uns an eurer Statt
  Mit unsrem frischen Muth;
  Nehmt alles nicht für euch allein!
  O gönnt, die Schwerter einzuweihn,
  Auch uns noch Feindesblut!
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