Coburgs Jugend.

an ihre beiden Prinzen, am Schulfeste 21. Juni 1826

(als die Stadt fürchtete, der Herzog möchte seine Residenz nach Gotha verlegen)

Wir wollen's uns nicht nehmen lassen,
  Das angestammte Prinzenpaar,
  Sie sollen zieh'n durch diese Straßen
  Vor ihrer künft'gen Bürger Schaar;
  Daß es der Stadt ein Freudenzeichen
  Sei ein Verheißungsunterpfand:
  Nie wird der Fürstenstamm entweichen
  Von seiner Stadt, von seinem Land.
Wir haben heut' uns umgebildet
  In die Gestalten alter Zeit.
  Behelmt, bepanzert und beschildet,
  Ein Heer von Rittern, kampfbereit.
  Die Stadt, gewiegt im Friedenschooße,
  Seh' als ein Spiel den Krieg allein:
  Es soll vom Kinderlanzenstoße
  Die Ruh' nur leicht gefährdet sein.
Doch von der Kleidung altem Schnitte
  Bleibt junges Herz nicht unberührt;
  Sei von der scherzgeborgten Sitte
  Ein Hauch des Ernsts ihm zugeführt:
  Zu treuer muth'ger Bürger-Innung
  Weihn wir uns euch auf künft'ge Zeit;
  Zu deutscher fürstlicher Gesinnung
  Seid, junge Fürsten, uns geweiht!
O stellt die besten eurer Ahnen
  Euch heut' im Geist zum Muster vor,
  Und denkt, ihr zieht auf ihren Bahnen,
  Indem ihr zieht in unserm Chor.
  Ja, wälzt des Krieges Ungewitter
  Sich jemals neu auf deutsche Flur,
  So wißt, ihr findet eure Ritter
  In allen euern Bürgern nur.
Doch heute soll uns Heitres ahnen!
  O kommt, dem Festspiel vorzustehn,
  Ihr sehet hier die beiden Fahnen
  Von Rosenau und Coburg wehn.
  Sie fordern sich zum Kampf mit Schweigen,
  Die gute Stadt, die schöne Flur;
  Wettstreitend wollen Liebe zeigen
  Dem Fürsten Menschen und Natur.
Freund der Natur, an Deinem Blicke
  Berose sieh die Rosenau;
  Und daß es lind Dein Herz erquicke,
  Steh' jeder Rose Aug' im Thau.
  Fürst, Vater Deines Volkes! wohne
  In Deiner Stadt, o milder Ernst;
  Und nie welk' ihre Bürgerkrone,
  Weil du dich nie von ihr entfernst.
Nun kommt, ihr tapfern Rosenauer,
  Und zeigt, wie ihr im Kampf es meint!
  Ergießet einen Rosenschauer
  Zum Angriff über euern Feind.
  Und ihr, um euren jungen Fürsten,
  Coburger! schwenket hochgesinnt
  Die Spieße, die nach Blut nicht dürften,
  Weil sie geweiht der Freude sind.*)

*) Die ursprüngliche Lesart der beiden Schlußzeilen war:

Die Spieße mit den Bratewürsten,
Die unsrer Stadt Wahrzeichen sind.

Gegen diese zu freie Anspielung auf Coburgs beliebtestes Markterzeugnis; machten die Besteller des Gedichtes Einwendungen, und die Nachgiebigkeit des Dichters ward auf’s glänzendste, mit dem Ehrenbürgerrecht der Stadt, belohnt.

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