Die abgesrreifte Aehre.

Wessen Mund die Blüth’ abstreifet
  Von des Kornes Aehrenspitze,
  Diesen jahrlang nicht ergreifet
  Bösen Fiebers Frost und Hitze.
  Das ist gut, doch hat mir's nicht gegütet,
  Weil ich ach mich nicht gehütet
  Vor dem Mund, der neu das Korn beblüthet
Eine abgestreifte Aehre
  Bot ich, daß ich etwas böte,
  Ihr, die sie von Ohngefähre
  Nahm in ihrer Lippen Röthe.
  Ach! ich sah, vom Hauch, dem wundervollen,
  Wie der Aehre Grannen schwollen,
  Und der Blüthe neue Flocken quollen.
Doch mit Lächeln sprach sie: Lieber!
  Rein hast du nicht abgegessen;
  Bleibest du nicht frei vom Fieber,
  Magst du dir die Schuld beimessen.
  Und sie gab sie mir zurück mit Schmollen:
  Iß nur auf, sonst werd' ich grollen!
  Ei, wie hätt' ich da nicht essen sollen.
Plötzlich wie ich abgekostet
  Das Geflock der Zauberähre,
  Fühlt' ich mich durchhitzt, durchfrostet,
  Ahnte doch nicht, was es wäre;
  Bis nun recht in mir das Fieber, wüthet,
  Das sie mir hat ausgebrütet
  Mit dem Munde, der das Korn beblüthet.