Erste Stufe. Einkehr: 149., 150., 151., 152.

                           149.

Versteh mich, liebes Kind! sowenig als mir nun
  Mich jung zu machen ziemt, ziemt dir schon alt zu thun.
Doch reine Freude laß uns aneinander haben,
  Du lieb' an mir den Greis, ich lieb' an dir den Knaben.
Erbauen magst du dich an meinem Weisheitspruch,
  Doch mich erquicken solt dein frischer Lenzgeruch.
Und eher möchte mir ein Liebeslied entspringen
  Noch jetzt, als jetzt schon dir ein Lehrgedicht gelingen.
O komm, damit sich Herbst und Frühling schön ergänzen,
  Mit Früchten lab' ich dich, du schmücke mich mit Kränzen.

                           150.

Du hörst ein Buch als gut von guten Freunden preisen,
  Und prüfest nun als gut es auch in Freundeskreisen.
Hast du's gelesen? Nein! Und hätest du's gelesen,
  Du wüßtest auch nicht mehr, als daß es gut gewesen.
Drnm es zu lesen kannst du Zeit und Mühe sparen;
  Du hast genug davon zu deinem Zweck erfahren.

                           151.

Wie ist die Autorschaft ein dorniger Beruf
  Für einen, dessen Herz wie meines Gott erschuf!
Mag doch ein anderer für Andre Rosen brechen,
  Dem auch die Rosen blühn, nicht blos die Dorne stechen!
Kaum freut mich, was dabei erfreulichs unterläuft,
  Und alle Kränkung ist auf's kranke Herz gehäuft.

                           152.

Die Freunde schweigen still; kein Laut hat mir entdeckt,
  Wie, was ich Neustes anfgetischt hab', ihnen schmeckt.
Nur Fremde hör' ich, die dort auf dem Markte schelten,
  Im Winkel loben dort; was kann mir beides gelten?
Ich bin zu alt, um neu zu modeln meine Sachen,
  Und weder Tadel kann noch Lob mich besser machen.
Verbitten will ich mir ganz alle Zeitungspost,
  Und selbst zufrieden sein mit meiner Hausmannskost.