XI. Die Eltern reiseten

                                XI.

Die Eltern reiseten bei jedem Passafeste
Zum Tempel und zur Stadt Jerusalem als Gäste.

Und als der Knabe war gelangt ins zwölfte Jahr,
Da brachten sie ihn auch mit sich zum Feste dar.

Doch als sie zugebracht des Festes Tage dort,
Da blieb das Kind zurück, die Eltern zogen fort.

Sie wußten nicht, daß er zurückgeblieben war,
Und meineten, er sei vorn bei der andern Schaar;

Bis sie zurückgelegt die erste Tagereise;
Da suchten sie nach ihm in der Bekannten Kreise.

Und da er sich nicht fand, da kehrten sie geschwind
Um nach Jerusalem und suchten dort ihr Kind.

Doch nach drei Tagen, da sie ihn von Haus zu Haus
Gesuchet, fanden sie den Sohn im Gotteshaus.

Im Tempel fanden sie ihn bei den Lehrern sitzen,
Zuhörend ihnen und befragend sie mit Witzen.

Und es verwunderten die fernen und die nahen
Der hohen Reden sich, die da vom Kind geschahen;

Doch mehr noch stauneten die Eltern, die ihn sahen.

Die Mutter sprach zu ihm: Kind, meines Leibes Frucht,
Wie thatest du mir das, und nahmst vor uns die. Flucht?

Mit Schmerzen haben wir, die Eltern, dich gesucht.

Zur Antwort aber gab er ihr: Was suchet ihr
Mich anderwärts? ich bin bei meinem Vater hier.

Doch sie verstanden nicht die Rede, die er sprach;
Sie nahmen ihn mit sich, und er folgt' ihnen nach

Gen Nazareth, und war dort unterthänig ihnen,
Gehorsam, wie ein Kind soll seinen Eltern dienen.

Die Mutter aber wußt' im Herzen zu bewahren
All' diese Dinge wohl, die sie vom Kind erfahren;

 Doch er nahm zu und wuchs an Weisheit wie an Jahren,

 An Huld bei Gott und bei den Menschen insgesammt,
 Bis seine Stunde kam, die ihn berief ans Amt.