Erscheinnng der Schnitterengel.

Die Mägdelein
  Im Mondenschein
  Die Schnitterinnen tanzen,
  Die Kleider sind
  Im Abendwind
  Geworfen auf die Pflanzen;
  Sie tanzen wie sie Gott erschaffen,
  Es wird sich Niemand hier vergaffen;
  Und wenn der Mond sich will verschanzen,
  Mag er ein Wölkchen raffen.
Allein, wer kommt?
  Nun Eile frommt,
  Zu schlüpfen in die Röckchen,
  Wer ist der Narr?
  Ach Gott, der Pfarr!
  Er geht an seinem Stöckchen.
  Der Schreck verwirrt die Tänzerinnen
  Die jeden Rock verkehrt gewinnen;
  Da sprach das jüngste klügste Döckchen
  Mit unverstörten Sinnen:
Wie toll ihr seid!
  Wollt ihr im Kleid
  Erscheinen und euch nennen?
  Er kennt euch nicht
  Am Angesicht,
  Im Rock wird er euch kennen.
  Wir tanzen wie uns Gott erschaffen,
  Er ist zu alt sich zu vergaffen,
  Und wenn er fürchtet anzubrennen,
  Mag er hinweg sich raffen.
Er sieht den Tanz
  In Mondenglanz,
  Die Wesen ohne Mängel;
  Sie kamen nur
  Von höh'rer Flur,
  Doch ohne Lilienstengel.
  Still geht er heim auf seinen Wegen,
  Und danket Gott beim Schlafenlegen,
  Daß er gesehn die Schnitterengel,
  Bedeutend Erntesegen.
Und als nun gar
  Gedroschen war,
  Die Mägde stehn betroffen;
  Dort war's so schwül,
  Nun ist's so kühl;
  Der Buße Thor ist offen:
  Jedwede bringt aus freiem Triebe
  Ein Mäßlein. wohl gefegt im Siebe,
  Dem Pfarrherrn, daß des Segens Hoffen
  Ihm unerfüllt nicht bliebe.