Doch um von meinem Ursprung dir

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Doch um von meinem Ursprung dir zu sagen:
  Ein Engel ward, wie hier von ihrem Ziele
  Die Rede, so von seinem einst verschlagen.

Die Engel haben der Geschäfte viele;
  Wornach sie ausgehn kann man nicht durchdringen,
  Und manchmal gehn sie auch wohl aus zum Spiele.

Der aber mochte eine Botschaft bringen,
  An Sterne einen göttlichen Beschluß;
  Er trug am Rücken und am Fuße Schwingen.

Die an dem Rücken waren aus dem Guß
  Von Sonnenlicht geschmolzen, und gewoben
  Aus Mondesstrahlen waren die am Fuß.

Das beste war den Augen aufgehoben;
  Denn drinnen war ein Lichtblick aus dem Quelle,
  Der höher fließt, als Mond und Sonnen, oben.

Von seinem Pfad ab bracht' ihn seine Schnelle;
  Er war gekommen tief hinab in's Dunkel,
  Eh' er's gewahr ward vor der eignen Helle.

Wo nie hinunter Sonn- und Mondgefunkel
  Gedrungen war, in eines Erdfpalts Ritze
  Verirrte sich der wandelnde Karfunkel.

Da mußt' er rühren mit der Flügelspitze,
  Wo er hindurch sich wand, die Felsenwände,
  Und vor sich schoß er seines Auges Blitze,

Er spähte, daß er einen Ausgang fände;
  Vom Flügelschlag und von dem Blick getroffen,
  Verwandelten sich rings die Gegenstände.

Der Engel, schwebend, fuhr hindurch, dem schroffen
  Gestein rücklassend seines Wandels Spuren,
  Und vor ihm war der Himmel wieder offen.

Worüber seines Rückens Flügel fuhren,
  Da war der Abglanz nun zu sehn der Sonne,
  Von Golde träufte das Gestein, vom puren.

Und wo die Flügel, die ihr Licht vom Bronne
  Des Monds geschöpfet, im Vorbeigehn schweiften,
  Schimmerte Silber nun in stiller Wonne.

Doch wo des Engels Bicke selber streiften,
  Da blieben Funken, blitzender und reiner,
  Festhangen, die zu Edelsteinen reiften.

Von dieses Blickes Funken bin ich einer.