Ich bin’s, die ihr lobpreiset

                        19.

Ich bin's, die ihr lobpreiset um die Wette,
  Ich bin es, die ihr sprecht in meinem Namen,
  Ich bin es, deren Händ' euch aus dem Bette

Der Wogen und des Erdendunkels nahmen,
  Ich bin es, die ich eure Kindheit säugte,
  Von der ihr selber habt des Lebens Samen.

Ich war der Engel, der sich niederbeugte
  Vom Himmel her und jene Thräne weinte,
  Die in der Muschel dich, o Perl', erzeugte.

Ich war der Engel, der zu irren meinte
  Und in der Kluft die Strahlen schoß, von denen
  Sich einer, Edelstein, in dir versteinte.

Dir in der Muschel gab ich jenes Sehnen,
  Durch dessen Trieb gesteuert, du entgangen,
  O Perle, bist den lockenden Sirenen.

Dir in der Erde gab ich das Verlangen,
  O Edelstein von dem kein Kobold naschte,
  Daß du verschmähtest, Niedrem anzuhangen.

Und als das Wechselspiel der Welt euch haschte,
  Wählt' ich den Platz, wo, euch zusammenbringend,
  Ich euch mit euerm Anblick überraschte

O ihr, dem Doppelend' der Welt entspringend,
  Die ihr durch mich zur Einigung gelanget
  Und staunt, in meinen Preis zusammenklingend!

O ihr, die hier an meinen Banden hanget!
  Ich selb auch halte jene Kette nur,
  Wo Stern an Stern, statt Edelsteine pranget.

Ich selber auch entfalte jene Schnur,
  An der als Perlen Welten hangen, alle
  Entnommen aus der Muschel der Natur.

Wie ich mich freu' an Stern und Weltenballe,
  Dem großen, meines ew'gen Kleides, Flinder,
  Und sorge, daß kein Stück dem Saum entfalle:

So freu' ich an euch kleinen mich nicht minder
  Und gebe gern aus meinem Eigenthume
  Euch hin zum Schmuck dem liebsten meiner Kinder.

Und wie ihr hier erscheint zu meinem Ruhme,
  So lass' ich Perlen auch und Edelsteine
  Scheinen zu meinem Ruhm an jeder Blume.

Ich acht' euch gegen Stern und Welt nicht kleine;
  Verachtet ihr auch nicht die auf der Aue,
  Die ich begabte mit nicht mindrer Reine!

Mein Odem rief in's Leben euch, der laue;
  Und wenn mein Odem euch, der laue, rühret,
  So werdet ihr selb jenen gleich zu Thaue.

Die ihr an meinem Licht das eure schüret,
  Entnommne feucht- und dunkelen Gebieten,
  Stolz kaum das Funkeln dieser Kerze spüret!

Wenn ich es dieser Kerze will gebieten,
  Die ich so gut, als euch, hab' angezündet,
  So kann sie selbst mit Glanz euch überbieten.

Denn meiner Wunder Macht ist unergründet
  O Kerze! hier befehl' ich deiner Flamme,
  Daß durch sie flammend sei mein Preis verkündet;

Daß die dem Erdenschacht und Meeresschlamme
  Entnommenem durch mich Verklärten Lichter
  Erkennen, daß du seist von gleichem Stamme,

Und es erkenne der hier wache Dichter.