O könntest du auf diese Blätter sehen

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O könntest du auf diese Blätter sehen,
  Wo ich zu deinem Preise nächtlich dichte;
  Wie mauch Geschaffnes wieder muß vergehen,
  Das als unwürdig deiner ich vernichte,
  Und ringend lass' in neuer Form entstehen,
  Das Dunkle wendend immer mehr in's Lichte;
  Damit du nur, o Stolze, mir nicht prahles,
  Das; hu viel schöner als mein Lied noch strahlest!

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Die Fesseln, die du mir um's Herz geflochten,
  Geliebte! Blumen waren es und Strahlen.
  Zu sehn, wie weil die Fesseln reichen mochten,
  Bin ich geflohen aus den heim'schen Thalen.
  Befreiung hab' ich nicht dadurch erfochten,
  Mich in der Fremde lehren's süße Qualen:
  Die Fesseln reichen um des Erdballs Achsen,
  So weit als Strahlen glühn und Blumen wachsen.

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O mög' im allerhellsten Farbenscheine,
  Geborgt aus paradiesischem Gefild,
  Noch schöner selbst als mir sich zeigt das deine,
  Sich zeigen, o Geliebte, dir mein Bild
  Daß dies mein Ich im Abglanz deiner Reime
  Dir gelte mehr, als es sich selber gilt,
  Und werth ich scheine, daß du mir dich schenkest,
  Nicht wie ich bin, nein, so wie du mich dekest.

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So schöne Füll' an wunderbaren Träumen
  Umgiebt dich in des Schlunnners stiller Ruh;
  Und was dir in der Nacht verschwiegnen Räumen
  Erblüht ist, hauchst du mir am Tage zu,
  Daß wache Träume rosig mich umsäumen,
  Und giebst mir träumerische Lust dazu,
  So meine Träume zu verflechten deinen,
  Daß sie zum schönsten Traumbild sich vereinen.