Die Blumen unten, und die Zweige droben

Die Blumen unten, und die Zweige droben,
  Sie hatten hier ein Pfühl, und dort ein Dach,
  Aus Düften hier, aus Schatten dort, gewoben;
  Da war der Liebe luft'gea Ruhgemach.
  Der Frühling stand, das schöne Werk zu loben,
  Und staunend haucht' er aus der Brust ein Ach;
  Da war vom Hauch der Liebe Traum zerstoben,
  Sie floh, und Düft' nnd Schatten flohn ihr nach.

                       87.
Du bist von mir als wie der Lenz geschieden,
  Wie war dein Absehiedlächeln zaubervoll!
  Ein Thränchen Thau an deinen Augenlieden,
  Ein Seufzerchen, das auf der Lippe schnwoll!
  So schiedest du, der Wehmuth stillen Frieden
  In meinem Busen lassend, nicht den Groll.
  So sieht Erinnrung ewig dich hienieden,
  Bis ich dich droben ewig sehen soll.

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Was Leben, wo gestorben du, o Liebe!
  Und was ist Sterben, wo du Liebe lebst?
  Was wär' es denn, ob hier der Leib auch bliebe,
  Wenn du, die Seele, diesem Leib entschwebst!
  Und was denn ist es, ob der Leib zerstiebe,
  Wenn du, o Seele, dich zum Himmel hebst?
  Ich will nicht leben, wo du stirbst, o Liebe!
  Ich kann nicht sterben, wo du Liebe lebst.

                       89.

Ihr Engel, die ihr ohne Flammenreinigung
  Den Zugang nicht gewährt zum Himmelslicht!
  Euch zeigen meine Lieder die Bescheinigung,
  Daß mir in diesem Stücke nichts gebricht.
  Bestanden meine purgatorische Peinigung
  Hab' ich auf Erden in der Liebe Pflicht;
  So mehret nun die Seligkeitsvereinigung
  Mit anderen Geläuterten mir nicht!