Nun dient er

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Nun dient er dem erfinderischen Kinde
In einer Uhr anstatt der Stunden Sand,
Und freut sich, daß durch sie er Ruh nicht finde
Im Tod, wie er im Leben Ruh nicht fand.

        6. Fehlende Temperatur.

Ihr seid ganz Schnee, und ich, ich bin ganz Feuer;
  Und zwei Extreme bilden Feu'r und Schnee.
  Verschmölze dieser Schnee sich diesem Feuer,
  Temperatur entständ' aus Feu'r und Schnee.
  Doch, überlasset ihr mich meinem Feuer,
  Und bleibt beharrend ihr bei euerm Schnee;
  So werde sterben ich vor Gluth im Feuer,
  Und sterben werdet ihr vor Frost im Schnee.

        7. Liebeshölle.

Mir träumt', o Herrin, daß mit trüben Kerzen
  Amur uns beiden leuchtet Höllen-ein,
  Euch, weil Ihr mich zu sehr gehaßt mit Scherzen,
  Mich, weil ich Euch zu sehr geliebt mit Pein.
  Und Ihr, da Ihr ganz waret Eis im Herzen,
  Und ich, da ich war lauter Gluth allein;
  Verdammet wurdet Ihr in mich zu Schmerzen;
  Und ich verdammt zur Lust in Euch hinein.

        8. Der Liebhaber in kleinster Gestalt.

O Gott, daß Amor mich zum Flöhchen machte,
  Und mich in meiner Herrin Busen schickte!
  Sie nagen wollt' ich da so mit Bedachte,
  Daß sie's nicht schmerzte, wenn es mich erquickte.
  Und jagte sie, so flöh' ich sachte, sachte,
  Und duckte mich, eh' mich ihr Blick bestrickte;
  Wiewohl gewiß mir's nur Vergnügen machte,
  Wenn sie mit ihrem Pätschelein mich knickte.

         9. Das himmlische Schachspiel

Fürst Luzifer spielt' eines Tages Schach
  Mit Gott, und schlug ihm eine Königin;
  Und das war Eva, die in Ungemach
  Verlorene Lebensmutter, Königin.