Naturpoesie/Leicht in Tönen hinzugleiten/Vogelgesang und Menschengesang

         Naturpoesie.

Das Schönste ward gedichtet
Von keines Dichters Mund,
Kein Denkmal ist errichtet,
Kein Marmor thut es kund.
Es hat sich selbst geboren,
Wie eine Blume sprießt,
Und wie aus Felsenthoren
Ein Brunnquell sich ergießt.

  Leicht in Tönen hinzugleiten.

Lieber Sänger,
  Müßiggänger,
  Sing, o singe, singe mir,
  Sanft in's Innere dringe mir,
  Aber nicht Gemüthsaufregung,
  Keine stürmische Bewegung
  Bringe mir!
Andre mögen sich nicht sträuben,
  Von Zukunftsmusik betäuben
  Im Theater sich zu lassen,
  Aber mir Will's besser passen,
  Ueber Räum' und Zeiten
  Leicht in Tönen hinzugleiten.

  Vogelgesang und Menschengesang.

Die Amsel singt dasselbe Lied
  Bei jedes Tags Erwachen,
  Wie ihr es die Natur beschied,
  Sie braucht es nicht zu machen.
Du aber fühlest keinen Tag
  Dir wie den andern tagen,
  Und mußt mit neuem Herzensschlag
  Stets neuen Ton anschlagen.