Die ich seit soviel Jahren nicht betreten

Die ich seit soviel Jahren nicht betreten,
Und die Gesichter seh' ich noch vor mir,
Ich werde sie, sie werden mich erkennen;
Was Zeit und Alter an den Zügen auch
Verwischt mag haben, doch der Kennzug bleibt.
Beata, komm, wir wollen's ihnen sagen,
Wie wir die Kön'gin und den König lieben,
Und welche Noth das Herrscherpaar bedrängt;
Ich müßte sie nicht kennen, wo nicht gleich
In Schaaren sie uns liebevoll beisprängen
Mit Schaufeln, Stöcken, Stangen, Schleifen, Schlitten,
Und jeglichem nothdürftigem Geräth,
Um über diese trotzig tück'schen Berge,
Wo nicht bequem, doch sicher uns zu bringen.
      (Anselmo und Beata gehn.)

                Kuno.

Sie gehn und thun, was ihres Amtes ist;
Wir sind hier fremd, und lassen sie gewähren,
Inzwischen thaten wir das Unsre schon.
Herr König, kommt, und ihr, holdselige
Frau Königin! ihr seid zwar hier geboren,
Doch nicht um in der freien Luft zu frieren,
Die hier so frisch ist als in Thüringen.
(Indem er König und Königin auf die Seite führt.)
Seht hier ist eine Nothhütt' aufgeschlagen,
Aus grünen Tannenzweigen dicht gewebt,
Ein' Art von Nest für ein Kreuzschnäbelpaar,
Die gern in solcher Winterkälte brüten.
Auch trocknes Feuerholz ist schon geschichtet,
Das anzuzünden nur den Funken braucht,
Den dieser Stahl aus diesem Steine schlägt.
Auch eine Wollendeck ist ausgebreitet,
Die ein verträglich Paar schon decken mag,
Wenn es sich diesmal nach der Decke streckt.
Komm, du verbanntes königliches Paar,
Und nimm, zur Stärkung auf den schweren Weg,
Die kurze Rast, bis Reisehülfe naht!
Tritt ein, und laß dies andre Paar hier wachen.